Warum philosopHER?

von Melanie Geckl und Thomas Knapp

Ungleichheit als Ausdruck von Ungerechtigkeit sollte gerade Philosophiestudierenden auffallen. Am Institut für Philosophie setzt sich das dramatisch einseitige Bild von Philosophie aus Jahrtausenden der Geschichte weiter fort. Lieben nur weiße Männer die Weisheit? Sind sie einfach die besseren Denker? Nein. Die Geschichte der Philosophie ist auch eine Geschichte des systematischen Ausschlusses von Frauen und Minderheiten. Dem sollte sich eine kritische Metawissenschaft ohne zu zögern stellen.

Wo sind die Philosophinnen?

Diese Frage stellt sich nicht nur bei einem Blick in die Philosophiegeschichte, sondern auch bei der Ordinarientafel unseres Instituts für Philosophie in Graz. Um Bewusstsein für den geringen Anteil von Philosophinnen zu schaffen, haben die StV Philosophie und das Referat für feministische Politik der ÖH Uni Graz die Kampagne philosopHER gestartet.

Denkt man an die Geschichte der Philosophie, fallen einem vor allem Namen männlicher Philosophen ein: Schopenhauer, Hegel, Kant, Wittgenstein. Philosophinnen tauchen nur selten in der Philosophiegeschichte auf. Grund dafür ist einerseits, dass die Entfaltungsmöglichkeiten von Frauen aufgrund ihrer gesellschaftlichen Position erheblich eingeschränkt waren. Andererseits wurden die Leistungen von Philosophinnen häufig verschwiegen und vergessen – die Suche nach Antworten auf philosophische Fragen wurde schon immer von Männern und Frauen bestritten und philosophierende Frauen gab es schon seit Hypatia und Aspasia. Erst seit dem 20. Jahrhundert finden Arbeiten von Philosophinnen mehr Beachtung, etwa die von de Beauvoir, Arendt, Anscombe oder Foot.

Die Unterrepräsentation von Frauen ist jedoch keine Sache der Vergangenheit. Auch an den heutigen Universitäten ist der Anteil an Frauen in der Philosophie gering. Dieses Bild zeigt sich auch am Institut für Philosophie der Uni Graz deutlich: Obwohl das Geschlechterverhältnis am Beginn des Bachelorstudiums noch relativ ausgewogen ist, wird der Frauenanteil immer geringer, je höher es die wissenschaftliche Karriereleiter hinaufgeht, bis man bei den Professuren anlangt, die derzeit alle mit Männern besetzt sind (tatsächlich gab es noch nie eine ordentliche Professorin in der Geschichte des Instituts für Philosophie). Die Zahlen sind eindeutig. Wer sie allzu einfach weg-erklären möchte, blamiert sich, gerade aus Sicht der Philosophie, besonders schnell. Da wird in Zirkeln argumentiert, Sein mit Sollen verwechselt und biologistische Ideologie für wissenschaftliche Empirie gehalten.

Es steht kein Professor am Eingang des Instituts und scheucht die Studentinnen fort. Das behauptet niemand. Aber gerade weil es keinen einfachen Grund gibt, ist es wichtig, darüber nachzudenken, warum die Zahlen so sind, wie sie sind. philosopHER soll ein Anstoß sein, auch dort hinzuschauen, wo es vielleicht unangenehm ist, sich gerade mit den eigenen Schwächen und Ungerechtigkeiten zu beschäftigen. Wir finden, die Philosophie kann und soll dieses Unterfangen immer wieder wagen, sie kann nur gewinnen.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo,

    es gibt eine neue Website – Project Vox -, die auf Frauen in der Geschichte der Philosophie aufmerksam macht (bisher vor allem Neuzeit). Vielleicht wollen Sie die Website in ihre Linksammlung aufnehmen.

    http://projectvox.library.duke.edu/pg/

    Viele Grüße,

    Dirk Kindermann

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